Es war in der U-Bahn, irgendwo zwischen zwei Stationen, die ich nicht kannte.
Ich war seit drei Wochen in der Stadt und noch in dem Stadium, in dem alles fremd und deshalb scharf ist — jedes Gesicht, jedes Schaufenster, jeder Geruch zählt noch. Das legt sich irgendwann. Aber an diesem Abend war es noch da.
Mir gegenüber saß eine Frau, die in ihr Handy schrieb, und ein alter Mann, der schief schlief, den Kopf gegen die Scheibe gelehnt, und ein Kind, das seinen Schuh betrachtete, als wäre es das erste Mal. Neben mir jemand mit Kopfhörern, der leise mit den Lippen bewegte.
Und dann — ich kann das nicht anders beschreiben, also beschreibe ich es einfach so — war da für einen Moment kein Unterschied mehr zwischen mir und den anderen. Nicht im metaphorischen Sinn. Wirklich nicht. Als wäre der Abstand zwischen uns eine Vereinbarung gewesen, die kurz vergessen wurde.
Die Frau schrieb weiter. Der Mann schlief. Das Kind schaute auf seinen Schuh.
Der Moment dauerte vielleicht drei Sekunden.
Die Türen öffneten sich. Jemand stieg aus, jemand stieg ein. Alles war wieder normal und trotzdem nicht mehr ganz.
Ich bin an der nächsten Haltestelle ausgestiegen, eine zu früh. Ich bin den Rest zu Fuß gegangen. Ich wollte etwas mit mir herumtragen, bevor ich wieder irgendwo ankam.