Ich war spät dran. Nicht dramatisch, aber unangenehm spät — der Typ, der schon auf die Uhr schaut, bevor er aus dem Zug steigt.
Der Mann stand am Fuß der Treppe. Älterer Herr, großer Rollkoffer, eine Stufe zu viel. Er schaute die Treppe an, als würde er einen Gegner einschätzen. Niemand blieb stehen.
Ich blieb stehen.
Wir haben den Koffer gemeinsam hochgetragen, er oben, ich unten, ohne ein Wort zu reden. Oben angekommen sagte er danke auf eine Art, die sich anhörte als würde er es nicht oft sagen — nicht weil er undankbar wäre, sondern weil ihm selten jemand Gelegenheit dazu gab.
Ich habe meinen Zug noch erwischt.

Was mich seitdem beschäftigt: Ich habe nicht überlegt. Es gab keinen Moment, in dem ich abgewogen habe — Zeit versus Hilfe, Risiko versus Aufwand. Der Körper hat einfach angehalten. Als wäre das die natürlichere Bewegung gewesen als weiterzugehen.
Ich frage mich manchmal, wie viele Entscheidungen so funktionieren. Nicht als Entscheidungen, sondern als Erinnerungen. Als würde man wissen, was zu tun ist, und das Zögern kommt erst danach.
Meistens ist das Zögern das Problem.
