Meine Tochter war vier, als sie abends nicht einschlafen konnte. Nicht aus Angst — sie wirkte nicht ängstlich. Eher nachdenklich. Als würde sie etwas durcharbeiten.
Ich saß auf dem Bettrand und wartete. Irgendwann sagte sie: Wo war ich, bevor ich hier war?
Ich habe einen Moment gebraucht.
Ich sagte: Das weiß ich nicht genau. Sie sagte: Ich glaube, es war schön. Dann drehte sie sich um und schlief.
Ich bin noch eine Weile sitzengeblieben. Das Nachtlicht an der Wand. Ihr Atem, der sich verlangsamte. Die Frage, die sie nicht mehr stellte — als wäre sie zufrieden mit ihrer eigenen Antwort, als wäre meine gar nicht notwendig gewesen.

Kinder fragen das manchmal. Ich habe das gelesen, ich habe es von anderen Eltern gehört. Irgendwann hören sie auf zu fragen — nicht weil sie die Antwort gefunden haben, sondern weil etwas anderes wichtiger wird. Die Schule. Die Freunde. Das Leben hier.
Der Schleier, denke ich manchmal, legt sich nicht von außen. Er wächst von innen, ganz langsam, bis man selbst nicht mehr weiß, dass er da ist.
Sie fragt mich das nicht mehr. Sie ist jetzt sieben.
Manchmal schaue ich sie an und frage mich, ob sie es noch weiß — irgendwo, ganz unten — und einfach nichts sagt.
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