Ich war vielleicht acht, als ich meiner Mutter sagte, ich glaube, ich bin versehentlich hier.
Sie lachte. Nicht böse. Sie dachte, ich meine die Stadt, in die wir gerade gezogen waren.
Ich meinte die Stadt nicht.
Es ist schwer zu erklären, ohne verrückt zu klingen, also habe ich es meistens nicht erklärt. Dieses Gefühl, als würde man eine Sprache sprechen, die alle verstehen, aber in der man selbst nicht ganz zuhause ist. Als wäre man für etwas Bestimmtes hier, aber hat vergessen was. Als würden Dinge — Begegnungen, Zufälle, bestimmte Abende — mehr bedeuten als sie sollten, und man weiß nicht warum, und man fragt auch nicht nach.
Ich habe irgendwann aufgehört, das als Defizit zu behandeln. Als etwas, das behoben werden müsste.
Manche Menschen wirken geerdet, als wären sie immer schon hier gewesen. Ich bewundere das aufrichtig. Ich bin es nicht. Ich bin jemand, der in fremden Städten manchmal das Gefühl hat, angekommen zu sein — kurz, flüchtig, ohne Erklärung. Ein Café in Ljubljana. Ein Bahnhof in Lissabon. Eine Küche in Potsdam, früh morgens, wenn noch alle schlafen.

Da. Dann weg.
Ich habe gelernt, diese Momente zu zählen statt das Dazwischen zu beklagen.
Es reicht.
